„Wir hatten so viel Unterstützung“

Nur noch wenige Wochen bis zur Eröffnung des Hospizhauses Tecklenburger Land

Eigentlich liegt die Idee schon 25 Jahre zurück. Damals wurde der ambulante Hospizdienst in Ibbenbüren entwickelt und auch über ein stationäres Hospiz nachgedacht. Jetzt sind es nur noch wenige Wochen, dann wird das Hospizhaus Tecklenburger Land am Aasee fertig sein und der erste Gast aufgenommen. Das soll Ende Juni sein. Bis dahin werden wir verschiedene Aspekte der Einrichtung beleuchten. Wir starten mit einem Interview mit Geschäftsführer Wolfgang Flohre, der erklärt, warum die Idee 25 Jahre dauern musste, bis sie realisiert wird.

Warum hat es 25 Jahre gedauert, bevor das stationäre Hospiz in Ibbenbüren Wirklichkeit werden konnte?

Flohre: Die Politik hielt es damals für nicht notwendig. Vielleicht war es das auch nicht. Damals wurde ja wesentlich mehr in Krankenhäusern und Altenheimen gestorben, selten zu Hause. Als dann das Haus Hannah geschaffen wurde mit zehn Plätzen, war es gut. Der Kreis erklärte damals, ein Hospiz im Kreis reicht.

Aber die Situation hat sich geändert?

Flohre: Ja, Menschen werden heute älter und die Pflege ist eine andere. Die Krankenhäuser können das nicht mehr leisten. Nach und nach gab es dann Hospize und bald darauf Wartelisten. Im südlichen Bereich ist der Kreis durch das Hospiz Haus Hannah gut abgedeckt. Der nördliche Bereich hingegen nicht. Die allermeisten gehen nicht nach Emsdetten, sondern schon eher nach Thuine oder Osnabrück.

Wann wurde die Idee konkret?

Flohre: Das war 2016. Ich war gerade im Ruhestand. Da gab es eine große Runde mit dem Hospizverein und vielen weiteren Teilnehmern unterschiedlichster beruflicher oder ehrenamtlicher Couleur: vom Bürgermeister über die Kirchen, Wohlfahrtsverbände. Wir waren rund 30 Leute, die ja gesagt haben. Es war ein einstimmiges Votum. Das war sozusagen die Geburtsstunde.

Wie ging's dann weiter?

Flohre: Bis Ende 2017 haben wir dann geschaut: Wer macht konkret mit. Und wie wollen wir es organisieren? Wer wird Betreiber, Erbauer, Investor. Wie sieht es aus mit Zuschüssen. Im November 2017 haben dann die sieben bekannten Institutionen die gGmbH gegründet: Stifung St.-Elisabeth-Hospital, Caritasverband Tecklenburger Land, Bürgerstiftung Tecklenburger Land, Hospizverein Ibbenbüren, Sozialdienst katholischer Frauen Stiftung Evangelische Kirche Ibbenbüren, Diakonie.

Da wurde die Idee dann konkreter?

Flohre: Ja, vorher waren es ja gedankliche Überlegungen. Jetzt wurden die real. Daran waren immer eine Menge Menschen beteiligt. Dann haben wir uns Gebäude angeschaut wie das Müttergenesungsheim in Laggenbeck. Das hätten wir für einen Euro von der Stadt kaufen können. Aber so illusionistisch und euphorisch waren wir dann nicht. Es liegt schön im Wald, aber es ist ein Problem für Angehörige, dorthin zu kommen. Da fährt einmal am Tag der Schulbus. Wir wollten eher ein Grundstück, das sozusagen mitten im Leben liegt. Wir haben uns dann noch fünf oder sechs weitere Gebäude angeschaut. Dann kam das Angebot der Stadt, wir könnten das Grundstück am Aasee kaufen.

Dann kam die Stiftung St. Elisabeth-Hospital ins Spiel?

Flohre: Ja, die Stiftung schlug vor, den Kauf zu tätigen und das Haus zu bauen. Das Grundstück wurde regulär erworben. Die Größe und die Zahl der Stockwerke waren durch die Stadtsatzung vorgegeben. So entstand der Plan, das Hospiz im Erdgeschoss anzusiedeln und oben Wohnungen einzurichten. Und dann überlegten wir, dass dort auch der ambulante Hospizverein einziehen soll. Abgerundet wird es durch den Palliativmedizinischen Konsiliardienst, der von Hörstel dorthin zieht. Das finden wir sehr passend. Da ist alles zusammen, das macht die Zusammenarbeit noch leichter.

Dann kam der Spatenstich.

Flohre: Ja, den haben wir ja wegen Corona mehrfach verschoben. Er gelang dann in ganz kleiner Runde im März 2021. Da war das Feld gerade abgesteckt. Ich bin jetzt noch überrascht, dass das erst ein Jahr her ist. Und wie viel in dieser Zeit an Planungen entstanden und umgesetzt worden ist.

Was fühlen Sie, wenn Sie jetzt „ihr Hospiz“ sehen?

Flohre: Ich merke große Ungeduld. Am liebsten wäre ich vier Wochen weiter. Aber es ist alles geschafft. Wir waren erst sehr vorsichtig hinsichtlich des Einzugtermins. Aber es hat alles geklappt. Das freut mich. Es ist aber auch sehr surreal. Oft gehe ich ins Haus. Da sind unheimlich viele Firmen gerade am Werkeln. Man sieht, es passieren viele Dinge. Es hat sich kolossal weiterentwickelt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Grundriss. Und sehr froh, dass wir keine langen Krankenhausgänge haben, sondern sozusagen ums Eck gebaut haben. Zudem gibt es keine geraden Linien. Es gibt hier und da immer mal wieder Ecken. Das finde ich sehr gelungen. Auch das Haus von außen gefällt mir sehr gut. Es macht mich auch ein bisschen stolz.

Als Sie sich des Projektes annahmen, haben Sie da die Größe der Aufgabe gesehen?

Flohre: In dem Ausmaß, nein. Als ich in den Ruhestand ging, habe ich ja noch einiges an Arbeit mitgenommen, ich war Vorsitzender des Seniorenbeirates und Schöffe und hatte noch ein paar Aufgaben mehr. Von einigen habe ich dann Abschied genommen. Dem konnte ich nicht mehr gerecht werden. Und ich war auch noch Vorsitzender des Hospizvereins. Dann habe ich die halbe Stelle als Geschäftsführer angenommen.

Aber die Arbeit ist doch durch eine halbe Stelle nicht gedeckt, oder?

Flohre: Nein, das ist mehr. Und es sind ja auch schöne Termine dabei, beispielsweise wenn ich am Wochenende einen Vortrag wie kürzlich bei den kfd-Frauen in Riesenbeck halte. Aber wir haben auch unglaublich viel Glück gehabt mit den Menschen, die uns helfen. Nur ein Beispiel: Aloys Beulting. Der hat für ein großes Unternehmen gearbeitet, das Dienstleistungen für Krankenhäuser, Rehakliniken und Pflegeeinrichtungen anbietet. Der weiß über Angebote, Preise, Qualität von Pflegebetten und so weiter und so fort Bescheid. Und auch über die Förderung durch die Fernsehlotterie. Es ist unglaublich, was er an Wissen mitbringt. Und das tut er ehrenamtlich. Solche Menschen spielen eine große Rolle. Wenn wir die nicht gehabt hätten...

Für Sie war das Projekt ja auch Neuland?

Flohre: Ja, ich sah meine Aufgabe auch mehr in der Moderation, Menschen zusammenzubringen und im Voranbringen von Entscheidungen. Ich kann das alles nicht wissen. So sind beispielsweise in vielen Gruppen Aufgaben bewältigt worden wie die Entwicklung des Leitbildes, Finanzen, Garten, Öffentlichkeit. Die Ehrenamtlichen spielen eine so große Rolle. Und zuletzt haben uns natürlich die Planer geholfen. Manchmal haben wir uns in Illusionen verstiegen. Aber dann hatten wir immer Experten, die gesagt haben, das müsst ihr so machen und nicht anders.

Sie haben eine große Welle der Unterstützung erlebt?

Flohre: Ja. – Wie oft ich vor Corona für Vorträge angefragt worden bin. Es waren fast 100 Treffen, bei denen ich war. So viele Spenden haben wir bekommen. Aber wir brauchen ja auch die Unterstützung, insbesondere finanzieller Art. Aber dadurch ist es uns ja auch gelungen, die Inneneinrichtung zu bezahlen, ohne ein Darlehen aufzunehmen. Aber wir haben auch noch nichts refinanziert. Das passiert erst mit dem ersten Einzug eines Gastes. Ich bin froh, dass wir auch immer wieder Thema in den Medien waren. Aber es ist auch wichtig, darüber zu sprechen. Das Sterben gehört zum Leben dazu. Auch junge Menschen müssen sich von Opa und Oma oder von den Eltern verabschieden. Und das Sterben ist nicht immer weit weg, wie man jetzt im Ukraine-Krieg sieht. Das ist ganz schlimm.

Für viele ist Sterben ein Tabu-Thema.

Flohre: Wir hatten auch Führungen im Hospizhaus. Und dann wird einem bewusst: Hier in dem Zimmer werden demnächst Menschen sterben. Da geht das Kopfkino an. Vieles ist unsicher. Aber das ist sicher, dass in einer absehbaren Zeit das Leben zu Ende geht. Und wir wollen, dass die Menschen hier in Würde bis zum Schluss leben und auch noch kommunizieren können. Da hat sich in der Palliativmedizin viel getan. Und Menschen müssen hier nicht einsam und allein sterben. Wir wollen hier zudem ein stückweit Alltag leben. Da muss auch mal Thema sein, wie Dortmund gegen Bayern gespielt hat. Hier wird bestimmt geweint. Aber hier soll auch viel gelacht werden.

Sie haben berichtet, dass es jetzt schon Anfragen nach einem Platz gibt.

Flohre: Ja, die gibt es. Es gibt aber noch keine Liste. Ab zwei Wochen vor der Eröffnung am 20. Juni werden wir Anmeldungen annehmen.

 

Donnerstag, 21.04.2022  |  IVZ, Sabine Plake  |  zum Original-Onlineartikel

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